Häufig gestellte Fragen
Waldorfschulen wollen gleichermaßen intellektuelle, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler:innen zwei Fremdsprachen. Sie stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen zusammen im Werkunterricht. In jeder achten und zwölften Klasse studieren sie ein anspruchsvolles Theaterstück ein und setzen sich in einer großen Jahresarbeit mit einem Thema ihrer Wahl in Theorie und Praxis auseinander. Die Fächer Gartenbau und Eurythmie sind feste Bestandteile des Lehrplans.
Der Tag beginnt oft mit dem sogenannten Hauptunterricht, der zwei Stunden lang ist und sich auf ein Hauptthema wie Mathematik oder Geschichte konzentriert. Danach folgen Fachstunden in Musik, Kunst, Handwerk oder Fremdsprachen. Praktische und künstlerische Tätigkeiten wechseln sich mit theoretischem Unterricht ab.
Während der ersten beiden Stunden eines Schulvormittags arbeiten die Schüler:innen über mehrere Wochen intensiv an jeweils einem Fachgebiet. So haben sie zum Beispiel drei Wochen lang jeden Morgen zwei Stunden Mathematik, Geografie, Deutsch, Geschichte oder ein anderes Hauptfach. Nach einigen Wochen wechselt der Inhalt der Epoche zu einem anderen Thema. Grundfertigkeiten wie Rechnen oder Schreiben festigen die Schüler:innen über den Epochenunterricht hinaus in fortlaufenden Übstunden. Im Anschluss an den Epochenunterricht übernehmen Fachlehrer:innen den Unterricht in Sport, Fremdsprachen, Eurythmie, Religion, Musik und in den handwerklich / künstlerischen Fächern.
Eurythmie (wörtlich: guter, auch schöner Rhythmus) ist eine Bewegungskunst, die an Waldorfschulen in allen Klassen unterrichtet wird. Im Unterschied zu gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungen, die völlig frei gestaltet werden können, gibt es in der Eurythmie für jeden Sprachlaut und jeden Ton eine ganz bestimmte Gebärde – es handelt sich also um sichtbar gemachte Sprache und Musik. Im Grunde wird sich aber einfach zur Musik bewegt.
An Stelle von Noten stehen in der Unter- und Mittelstufe individuelle Beurteilungen, in denen die Lehrer:innen gleichermaßen auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Lernfortschritte ihrer Schüler:innen eingehen. Es zählt also nicht allein der Wissensstand, sondern die Gesamtentwicklung in einem bestimmten Zeitraum. So lernt man von der ersten bis zur zwölften Klasse in einer stabilen Klassengemeinschaft, unabhängig vom angestrebten Schulabschluss: Niemand wird unterwegs sitzen gelassen.
Inzwischen ist wissenschaftlich gut erforscht, dass eine vertrauensvolle Beziehung die wichtigste Basis für das Lernen ist. So können Kinder sich in einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, gut und gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet eine Lehrkraft die Klasse nach Möglichkeit sechs bis acht Jahre lang und unterrichtet jeden Morgen mindestens die ersten beiden Stunden eines Schulvormittags. In wechselnden „Epochen“ wird den Schüler:innen jeweils über mehrere Wochen der Stoff unterschiedlicher Themengebieten nahe gebracht. Dabei lernt die Lehrkraft die Schüler:innen sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.